Zweifache Verwendung des Wertequadrates: für ein Individuum und für ein System

Bei der Konstruktion eines Wertequadrates verheddern sich unsere Trainer und Coaches zuweilen. Wird es für ein Individuum konstruiert – als Entwicklungs- und Herausforderungs-Quadrat? Oder wird es für ein System konstruiert (zum Beispiel für ein Paar) – als Polarisierungs- und Konfliktquadrat? Beides ist möglich, und muss gut unterschieden werden!

Beispiel Individuum
Angenommen, wir haben es im Coaching mit einer Führungskraft zu tun. Sie kann gut würdigend und wertschätzend mit ihren Mitarbeitern umgehen. Allerdings läuft sie Gefahr, hier des Guten zu viel zu tun. Die Fähigkeit zur Abgrenzung, zur Konfrontation und zur Kritik ist zuweilen auch nötig! Entsprechend wären ihre Herausforderung und ihre Entwicklungsrichtung wie folgt:

 

Beispiel System
Angenommen, Vater und Mutter geraten immer wieder in Streit, wenn es um die Fernsehzeiten der Kinder geht. Der Vater besteht auf der Einhaltung der Verabredung, dass nach 45 Minuten Schluss ist. Die Mutter findet das rigide, er solle doch nicht mit der Stoppuhr daneben stehen. – Um die hier entstehende Polarisierung auf den Punkt zu bringen, konstruieren wir ein einziges Wertequadrat für beide, also für das System! Dabei sind in der Diagonale sehr schön die gegenseitigen Vorwurfsrichtungen von oben nach unten auszumachen:

 

Wann ist welche Variante indiziert?
Kann man es auf die einfache Formel bringen: individuelle Wertequadrate im Einzelcoaching und System-Wertequadrate in der Paar-Beratung? Nein. Es ist durchaus möglich, dass im Einzelcoaching die Beziehung zu einem schwierigen Anderen zum Thema wird, und dann kann ein System-Wertequadrat für den Mandanten sehr klärend sein. Und bei einer Paarberatung kann durchaus herauskommen, dass einer der beiden eine Entwicklung anstreben will, um der Beziehung gewachsen zu sein, gewachsen zu werden. Und diese Entwicklung kann mithilfe eines Wertequadrates erarbeitet werden.