Lesetipp

Soeben erreicht uns das neue Buch von unserer ZKP-Absolventin Elisabeth Wehling: „Politisches Framing: Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht“ (Köln, Halem 2016). Vielleicht haben Sie ihr Interview in der Zeit Nr. 10 dazu gelesen? Ein wichtiges Thema für uns Kommunikationsbildner! Achte auf die Worte und Metaphern, die jemand spontan verwendet! Talentierte Psychotherapeuten wissen das schon länger. Die Sprache ist ein Spiegel der Seele, und die Wortwahl kann dorthin führen, wo ein Hase im Pfeffer liegt. – Achte aber auch – und jetzt kommt Elisabeth Wehling – auf die Worte und Metaphern, die jemand in öffentlichen Debatten verwendet! Sie enthalten viel mehr, als man naiverweise annimmt. Sie deuten das Weltgeschehen in bestimmter Weise (“Framing“), belichten ausgewählte Aspekte der Wirklichkeit und lassen, bewusst oder unbewusst, andere Aspekte derselben Wirklichkeit unterbelichtet. Sie verraten eine Gesinnung, die das geschulte „grüne Ohr“ identifizieren kann. Harmloses Beispiel: Wer von „Steuererleichterungen“ spricht (egal ob er dafür oder dagegen ist), suggeriert mit diesem Wort, dass Steuern eine bedrückende Last seien, und gibt denjenigen als Wohltäter aus, der uns von dieser Last etwas abnimmt. Ausgeblendet bleibt bei diesem Framing, dass Steuern einen konstruktiven Beitrag zum Gelingen eines Gemeinwesens darstellen, von dem ich ein Teil bin, mit dessen Gelingen mein Leben stehen und fallen kann. Innerhalb dieses Frames könnte ich stolz und dankbar sein, mit meinem Steuerbeitrag am Gelingen des Ganzen persönlich beteiligt zu sein. So harmlos ist das Beispiel gar nicht!

Achte also auch bei deinen eigenen Worten und Metaphern (und die Sprache ist nolens volens voller Metaphern!) darauf, ob sie stimmig sind – im Hinblick auf die beschriebene Wirklichkeit und im Hinblick auf Deine Gesinnung!

Die Autorin ist Linguistin und entfaltet ihre Erkenntnisse und Thesen auf der Grundlage der kognitiven Linguistik. Sollten Sie jetzt (wie ich, SvT) einen Abwehrreflex in sich spüren, weil Sie linguistische Fachliteratur schon mehrfach aufgrund ihrer Schwerverständlichkeit und ihrer fraglichen Lebensrelevanz zermürbt beiseitegelegt haben, so werden Sie hier auf beglückende Weise überrascht sein. Elisabeth Wehling hat nicht nur etwas Wichtiges zu sagen, sie kann auch wunderbar erklären und den Leser, die Leserin wie eine kundige, aber auch zugewandte Reisebegleiterin auf ihre Gedankenreise mitnehmen. Und sollten Sie nicht mit jeder ihrer Thesen einverstanden sein (zum Beispiel mit den Gedanken zur „Schwangerschaftsunterbrechung“) dann wäre das ebenso wertvoll, denn die eigene, als stimmig empfundene, Gesinnung entfaltet und klärt sich auch und nicht zuletzt im guten Streit. Auch beim Framing beginnt die Wahrheit zu zweit, und für manche Menschen sind hohe Steuern in der Tat eine schwere Belastung… – Politisches Framing: Lesetipp!