Die "Philosophie" des Hauses

Leitende Gedanken und Erkenntnisse in 16 Punkten

1. Miteinander reden

Gelingende Kommunikation ist eine ewige Lebensaufgabe, ist Mittel und Ziel eines gelingenden Miteinanders auf Erden. „Dass wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen“ (Jaspers). Ohne gute Verständigung droht Krieg und/oder Isolation, Kränkung und Verständnislosigkeit, droht die Hölle auf Erden. Menschen, die miteinander zu schaffen haben, machen einander zu schaffen – unweigerlich. Wohl ihnen, wenn sie dann vernünftig miteinander reden können. Daher der Titel der drei Grundlagenbände!

2. Soziale Kompetenz als Entwicklungsziel

…Wohl ihnen, wenn sie vernünftig miteinander reden können… – können Sie es?
Das „Können“ ist eine Errungenschaft persönlicher Entwicklung und Bildung. Auch die Errungenschaft einer guten Beziehungs- und Teamentwicklung. Es lohnt sich und es ist menschenmöglich, in dieser Schlüsselkompetenz des Lebens weiter zu kommen.

3. Wer sich selbst versteht, kommuniziert besser.

Eine gute Kommunikations-„Schulung“ (der Begriff passt nicht richtig!) enthält auch eine Auseinandersetzung mit dem inneren Menschen, der in mir sein Wesen (zuweilen auch sein Unwesen) treibt.
Die Förderung der Kommunikationsfähigkeiten wird somit auch zu einer sehr persönlichen Angelegenheit. Es geht nämlich nicht nur darum, Regeln zu kennen und Techniken zu beherrschen. Die gibt es zwar auch, und es lohnt sich, sie zu wissen und zu üben. Aber wichtiger: Dass ich das, was mich ausmacht, zu fassen kriege (Selbstklärung!) sodann authentisch und zugleich situationsgerecht in den Kontakt einbringe.

4. Stimmigkeit als Leitstern

Authentisch und situationsgerecht: das ist das Ideal der „Stimmigkeit“. Wann ist deine Kommunikation gut? Wenn sie stimmig ist. Was ist Stimmigkeit? Eine zweifache Übereinstimmung, erstens mit dir selbst, zweitens mit der „Wahrheit der Situation“. Das bedeutet einen Abschied von jeder einstudierbaren Verhaltensschablone.
Diese Stimmigkeitslehre gibt den zweifachen Arbeitsschritt im Kommunikations-Coaching vor, wenn jemand in einer verzwickten Lage ist oder vor einer besonderen Herausforderung steht: wir arbeiten das Wesen der Situation heraus und wir ergründen seine „innere Wahrheit“! Danach sind wir einer Lösung meist schon sehr nahe.

5. Innere Pluralität – Inneres Team

Beim Ergründen der inneren Wahrheit stellen wir regelmäßig fest: der Mensch ist mit sich selbst nicht „ein Herz und eine Seele“! Es herrscht in ihm eine „innere Pluralität“, oft eine große Uneinigkeit zwischen denen, die sich zu Wort melden und durchsetzen wollen. Unser Modell vom Inneren Team enthält die Verheißung, dass es möglich ist, aus der Not eine Tugend zu machen: aus dem „zerstrittenen Haufen“ ein inneres Team – mit Harmonie nach innen und Effektivität nach außen. Wie kann das gehen? Methoden der „inneren Teamentwicklung“ bieten sich an und können manchmal wahre Wunder vollbringen.

6. Kommunikation: Was mich ausmacht und wie ich mich gebe

Kommunikation hat diese beiden Komponenten: Was mich ausmacht und wie ich mich gebe. Wenn ich meine innere Wahrheit zu fassen habe, will sie auch gestaltet sein. Zum Was kommt das Wie: Wie sag ich es meinem Kinde? Meinem Chef, meinem Ehemann, meinem Kunden, meinem Volk? Wie sage ich es so, dass es auch ankommt, in den richtigen Hals gerät, so verstanden werden kann, wie es gemeint ist?

7. Erst quadratisch wird die Sache rund!

Wie ich mich gebe und wie ich ankomme: das vollzieht sich immer gleichzeitig auf 4 Ebenen, auf den „vier Spielfeldern der Kommunikation“.
Wenn immer ich etwas von mir gebe, gebe ich 1. Sach-Informationen, 2. von mir selbst etwas kund, 3. eine Stellungnahme zu dir, dem Empfänger und 4. einen Appell.
Erst quadratisch wird die Sache rund! Dies ist im Logo unseres Institutes bereits angedeutet. Im Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun sensibilisieren wir uns für diese immerwährende Quadrophonie (Vierklang).

8. Metakommunikation als Kompetenz und Haltung

Die Sensibilisierung für diesen Vierklang bildet zugleich die Voraussetzung für eine aussichtsreiche Metakommunikation. Damit ist die Fähigkeit angesprochen, über die Kommunikation selbst zu sprechen, wenn sie schwierig wird oder zu misslingen droht. Wie reagiere ich auf die Art und Weise, wie du zu mir sprichst? Was hast du gehört, wie habe ich es gemeint? Wie kommen wir miteinander
klar?
Was für mich stimmig ist, kann für dich entsetzlich sein – probieren wir auf der Metaebene, darüber ins Gespräch zu kommen! Die Wahrheit beginnt zu Zweit (Nietzsche), mit dieser Grundhaltung wird manches leichter und menschlicher. Wie du und ich miteinander klarkommen können: das steht in keinem Lehrbuch der Wissenschaft – das müssen wir erst noch herausfinden und entwickeln! Für diese Entwicklungsaufgabe braucht es den Raum, die Zeit und die Fähigkeit zur Metakommunikation. Unsere Kommunikationsmodelle helfen herauszufinden, wo es hakt. Wenn ich erkenne, wo es hakt, kann ich es zur Sprache bringen.

9. Paarlinge im Wertehimmel

Es geht immer auch um Werte in der vierseitig angelegten Kommunikation: Verständlichkeit, Wertschätzung, Authentizität, Respekt, Klartext, Diplomatie, Takt, Schlagfertigkeit, Verständnis…
Jede Tugend, jede positive Qualität ist aber in Gefahr, auf die schiefe Bahn zu geraten und sich in eine Störgröße zu verwandeln, wenn sie für sich alleine steht und überoptimiert wird. Deshalb gibt es im Wertehimmel unserer Lehre nur Paarlinge: z.B. Ehrlichkeit und Takt, Verständnis und Selbstbehauptung, Empathie und Abgrenzung. Ehrlichkeit ohne Takt ist so schlimm wie Takt ohne Ehrlichkeit.

10. Regenbogen-Qualitäten

Erst wenn zwei gegensätzliche Schwestertugenden zusammen kommen, entsteht (wie bei Regen und Sonne) ein wunderbarer Regenbogen. In unserer Kommunikationslehre sind wir darauf aus, solche „Regenbogenqualitäten“ zu entdecken und anzustreben. Die Integration der Gegensätze ist das Geheimnis guter Kommunikation, überhaupt das Geheimnis eines stimmigen Lebens. – Im Modell des Wertequadrates (ursprünglich von Hellwig) werden wir dieser Zusammenhänge ansichtig und fähig, unsere persönlichen Entwicklungsrichtungen zu entdecken, damit der Regenbogen aufgehen kann.

11. Mit Unterschieden rechnen und damit zurecht kommen

Die Entwicklungsrichtungen von Menschen überkreuzen sich nämlich: Was der eine zur Abrundung seiner Persönlichkeit dringend braucht (z.B. „klare Kante zeigen“), hat der andere vielleicht schon viel zu viel (z.B. eine rüde Rüffeligkeit); und was der andere dringend braucht (z.B. wertschätzende Sensibilität), hat der eine vielleicht schon viel zu viel (watteweiche Samthandschuhe).
Die Menschen sind verschieden, auch in ihrer Art der Kommunikation mit 4 Schnäbeln und Ohren, wie sie gewachsen sind. Darum müssen wir ein wenig „Fremdsprache“ lernen, um auch gegenüber solchen Menschen empathiefähig zu werden, die anders „ticken“ als wir selbst. Die Herausforderungen interkultureller Kommunikation beginnen schon im eigenen Haus! Das Riemann-Thomann-Modell mit seinen „vier Himmelsrichtungen der Seele“ hilft uns dabei.

12. Professionelle Kommunikation

Kommunikation soll idealerweise stimmig sein, d.h. zum einen authentisch und wesensgemäß, so dass Mensch und Kommunikation zusammen passen. Zum anderen aber auch zugleich rollen-, situations- und systemgerecht. In der professionellen Kommunikation gewinnt dieser zweite Aspekt eine besondere Bedeutung. Besonders die Auseinandersetzung mit der Rolle („Was macht die Rolle mit mir, und was mache ich aus der Rolle?“) wird zum A & O einer klaren und stimmigen Kommunikation.

13. Professionalität und Menschlichkeit

Die leitende Ober-Überschrift all unserer Weiterbildungen und Coachings lautet: Die Verbindung von souveräner Professionalität und entwickelter Menschlichkeit! Diese beiden Qualitäten (Professionalität und Menschlichkeit) stehen in einem komplizierten Verhältnis zueinander. Sie sind zum einen aufeinander angewiesen und ergänzen sich gegenseitig. Sie stehen aber auch in einem Spannungsverhältnis zueinander: Zur Professionalität gehört z.B. Perfektion und Kontrolle. Für die menschliche Seele ist überwertig gelebtes Perfektionsstreben und „alles im Griff behalten Wollen“ gefährlich.

14. Souveränität erster und zweiter Ordnung

In der Welt der Professionalität zählt die „Souveränität erster Ordnung“: Alles perfekt im Griff haben, keine Blöße, keine Schwäche, alles zielgerecht nach rationalem Kalkül. Die geglückte menschliche Entwicklung bringt hingegen eine „Souveränität zweiter Ordnung“ hervor, welche Schwächen und Fehler, Schuld und Scheitern, Verletztheit und Ratlosigkeit nicht ex-kommuniziert, sondern integriert, ohne dass ein Zacken aus der Krone bricht. Im Gegenteil: dies setzt die Krone der Souveränität höherer Ordnung erst wirklich auf.

15. Weiterbildung mit Kopf, Herz, Hand und Fuß

Kommunikation steht wesensmäßig im Spannungsfeld dieser beiden Welten. Eine Weiterbildung in Kommunikation und sozialer Kompetenz muss daher mit „Kopf, Herz, Hand und Fuß“ geschehen: mit Aufklärung und Information (Kommunikationsmodelle ), mit Selbsterkundung und „Herzensbildung“, mit Repertoire-Erweiterung und Übung („Hand“) sowie mit klarer Standortbestimmung („Fuß“) auf dem systemischen Feld der Begegnung, damit eine feine Antenne für situative Stimmigkeit wachsen kann.

16. Das humanistische Credo

Dem Menschen ist das Menschliche nicht schlichtweg gegeben, sondern aufgegeben! Der alte Doppelappell „Sei du selbst und werde, der du bist!“ benennt die Aufgabe. Der erste Teil besagt: Steh zu dem, was dich ausmacht (auch wenn es deinem Ideal widerspricht)! Wer so in Übereinstimmung mit sich selbst gerät, gewinnt Kräfte für den zweiten Teil: „Jeder kann jederzeit aus dem etwas machen, was man aus ihm gemacht hat!“ (Sartre). Dabei ist es nicht verkehrt, bei der Kommunikation anzufangen. Nur wer klein anfängt, kann groß werden.